Arbeitsplatz 2

Wer knackt die Nuss?
60er-Jahre, vorbei: Der Traum vom festen Vollzeitjob ist Vergangenheit. Vollzeit und Vollbeschäftigung gingen in Westdeutschland Mitte der 60er Jahre zu Ende. Bei einer Produktivitätssteigerung von 50% konnten die Gewerkschaften jährliche Lohnerhöhungen von bis zu 15% durchsetzen. Um das zu ändern wurde per Gastarbeiter-Einladung die Arbeitslosigkeit installiert und den Gewerkschaften damit die Stärke genommen. Rationalisierung fiel damals nicht auf, die öffentliche Hand absorbierte die frei werdenden Kräfte.
90er-Jahre, erledigt: Der Wiederaufbau brachte Auslastung. Aber schon konnten Westfirmen auch Ostfirmen absorbieren und den nun größeren Absatz mit besserer Auslastung ohne zusätzliche Arbeitsplätze bewältigen.
Und jetzt?
Stellenabbau wird nicht absorbiert. Vorhandene Löhne verringern sich gemessen an der Kaufkraft, vorhandene Arbeit wird mit prekären Verträgen vergeben, Arbeiter in unterbezahlten Jobs bekommen vom Steuerzahler den Lohn aufpoliert, und dennoch, die augenblickliche Lage mit zufriedener Wirtschaft und geringster Arbeitslosigkeit wird als blendend dargestellt.
Was ist also los?
Mit der Wirtschaft sieht es gut aus, der Blick ruht auf den überlebenden Gewinnern. Die Verlierer bleiben samt Arbeitplätzen im Dunkeln. Die Verlierer werden nicht mehr gebraucht. Was den Konsum angeht, haben inzwischen alle alles was benötigt wird. Es bleibt nur Ersatz oder zusätzlich Überflüssiges. Was die Preise angeht, überlebt im Markt, wer dank großem Absatz bei kleiner Marge noch durchhält. Z.B. Online-Händler.
Mit den Arbeitsplätzen sieht es gut aus, der Blick ruht auf der Statistik mit der niedrigen Arbeitslosenquote. Die Arbeitsuchenden erheben nicht die Stimme. Der Sozialstaat betäubt das Volk.
Die Nuss enthält das Recht auf Arbeit. Damit wird jedem angeboten, für sich selbst auskommend sorgen zu können. Zusätzlich entsteht so die Sicherheit, dass es so bleibt. Wie nun die Nuss knacken, diesem Recht entsprechend Arbeitsplätze anbieten?
Das muss das Staatsvolk erreichen und seine Regierung hat das umzusetzen. Die Wirtschaft ist dabei nur Teil und nicht Akteur. Bei Anthony B. Atkinson ist das Grundproblem unserer Zeit die soziale Ungleichheit. Sein Buch („Ungleichheit, Was wir dagegen tun können“, Verlag Klett-Cotta, beim örtlichen Buchhandel) antwortet auf die Fragen, was sollen, was können, was müssen wir tun, in großen Teilen mit Vollbeschäftigung, also mehr Arbeitsplätzen als es Arbeitswillige gibt.
Woher? Aus Wirtschaft und öffentlicher Hand natürlich. Was für welche? Produktion und Dienstleistung natürlich.

 

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