Pragmatismus

Artikel auf SPIEGEL-ONLINE.
Die oft als mächtigste Frau der Welt bezeichnete Angela Merkel ist öffentlich präsent wie immer und doch weiß das Volk nicht, was läuft, was sie will und wohin das führt. Frau Dr. Merkel scheint müde und verbraucht zu sein, das „Volk“ schreit hinweg mit ihr. Ist es nicht so, dass das Volk wissen will, wohin es geführt wird? Im Nachruf auf Helmut Schmidt meint Frank-Walter Steinmeier, Helmut Schmidt wäre aktuell nach der Tagesschau an sein Volk herangetreten. Warum verkündet Angela Merkel nicht regelmäßig „Das Wort zur Lage“? Wasistdasproblem betätigt sich als Redenschreiber für die Kanzlerin und meint, die Verhältnisse sind wie sie sind und nun muss das Beste daraus gemacht werden.Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich weiß von Ihren Sorgen angesichts der Entwicklung der Flüchtlingszahlen und werde deshalb heute Abend darstellen, dass wir Deutschen es nicht mit einer Krise, sondern mit einer Herausforderung zu tun haben, der wir uns, ob wir es wollen oder nicht, auch stellen müssen. Zuvor möchte ich mich bei Ihnen bedanken, dass Deutschland mit einem Septembermärchen, der großzügigen Bereitschaft vieler von Ihnen bis an die Grenzen der eigenen Leistungsfähigkeit zu helfen, den Respekt und die Anerkennung der ganzen Welt erworben hat. Was hier bei uns an Willkommen gezeigt wurde, muss ich als historisch bezeichnen. Inzwischen, leider noch zu zögerlich, beginnen die amtlichen Stellen die Situation in geregelte Bahnen zu lenken. Deshalb hoffe ich, noch weiter auf Ihre geschätzte ehrenamtliche Hilfe bauen zu können.

Worin besteht nun die Herausforderung und was macht mich so zuversichtlich, dass gerade Deutschland als besonders exponiertes Zielland diese erfolgreich bewältigt? Da ist einmal unsere eigene Lage als wirtschaftlich stärkstes Land der Gemeinschaft. Da ist unsere bewährte Förderung der europäischen Einigung, die nun auch Früchte tragen muss. Und nicht zuletzt unsere im Grundgesetz begründete helfende Hand, die wir Deutschen den Schutzbedürftigen entgegenstrecken.

Was erwartet uns in dieser Situation? Wir leben in einer Epoche, keine Krise, sondern langanhaltend mit enormen Bevölkerungswachstum, steigendem Verlust aller Lebensgrundlagen in Gebieten von Afrika und Asien und zusätzlich, als sei das nicht schlimm genug, den Auswirkungen von Gewalt und Krieg. Kein Wunder, dass den Bedrohten eine Völkerwanderung nach Europa in dieser Situation als einzige Alternative zu ansonsten bitterem Leid und dem sicheren Tod erscheint. In den kommenden Jahren werden sich weitere Millionen auf den Weg machen. Ich darf daran erinnern, dass es auch in Deutschland Zeiten gab, wo wir als Auswanderer mit Seuchen und dem Tod vor Augen uns lieber auf den Weg über den Atlantik machten als im Elend zu bleiben, und viele Bedauernswerte nie auf der anderen Seite ankamen.

Es gilt also einmal, dafür zu sorgen, dass die Ursachen der Völkerwanderung vor Ort beseitigt werden und Familien friedlich und lebensfähig in ihrer Heimat bleiben wollen. Sie werden sagen, dann sollten wir auch einmal dafür sorgen, dass auch unsere Familien ebenso in ihrer Heimat hier gesichert sind. Ich komme gleich darauf zu sprechen, denn gewiss gibt es Deutsche, die begründet auswandern wollen oder unzufrieden mit der Situation es vielleicht würden.

Wir haben zum anderen also auch an uns selbst zu denken. Und da bin ich bei meinem Punkt. Wir schaffen das. Wir schaffen das, wir bewältigen die Herausforderungen, weil es sich lohnt.

Die Welle an Zuwanderern, die über die Jahre immer stärker wurde und uns nun regelrecht unvorbereitet überflutet, macht aus Deutschland ein Einwanderungsland und ein Gastland. Ob als Einwanderer oder als Gast bis zur Rückkehr in die Heimat, von jedem verlangen wir, dass unsere Regeln eingehalten werden. Hierzu ist es nötig, dass alle Ankömmlinge so schnell wie möglich mit unseren Gepflogenheiten und unserer Sprache vertraut werden. Das ist kein Verlangen, sondern eine Selbstverständlichkeit. Jedoch ist es hierzu erforderlich, dass aus Fremden schnell Bekannte werden.

Warum soll sich das lohnen? Es ist bekannt, dass wir schon lange einen Engpass auf dem Wohnungsmarkt haben. Der muss für uns und unsere zusätzlichen Mitbürger sofort behoben werden. Das bedeutet für die Baubranche, sie muss um mindestens 20% sofort wachsen. Ich werde veranlassen, dass sich die landeseigenen Wohnungsgesellschaften hier besonders engagieren. Und zwar so, dass keine Ghettos und neue soziale Brennpunkte entstehen. Es ist bekannt, dass wir mit unserer Infrastruktur seit einiger Zeit auf Verschleiss fahren. Nicht nur, dass hier erneuert und modernisiert werden muss, für den Zuwachs an Bevölkerung wollen wir nicht noch mehr Privatautos, sondern einen verbesserten Verkehr auf der Schiene. Wobei die Verlagerung von der Straße auf die Schiene auch der Umwelt zugute kommt. Die erforderlichen Investitionen gehen auch hier einher mit mindestens 20% zusätzlichen Arbeitsplätzen.

Sie wissen, dass die Europäische Zentralbank monatlich Milliarden frisches Geld druckt. Wird dieses Geld in die genannten und viele weitere gleichartige Maßnahmen geleitet, dann kommt es beim Mittelstand und bei Ihnen selbst an. Ich denke, 500 Milliarden für die Bankenrettung war genauso erforderlich, wie jetzt 500 Milliarden für den Mittelstand und das Volk erforderlich sind. Wir brauchen Schulen, Lehrer, von allem, wie auch zum Beispiel mehr Krankenhäuser und Arztpraxen. Ausgelöst durch die Einwanderung wiederholt sich die Aufbauleistung der Nachkriegszeit, allerdings mit viel besseren Voraussetzungen. Wir brauchen jede Hand, alteingesessen oder neu angekommen.

Nun gibt es ja, da darf ich nicht wegschauen, die Angst vor Überfremdung. Wer als Gast oder Einwanderer sich bei uns aufhält, das habe ich schon gesagt, hat sich an unsere Regeln zu halten. Dies fällt leichter, wenn es permanent Gelegenheit zum Kennenlernen gibt. Deshalb sollte jeder, der Fürsorge vom Staat bezieht und keine Arbeit hat oder aufnehmen darf, regulär Dienst in einer beigeordneten Position in der Arbeitswelt ausüben. Hierfür werden geeignete Arbeitsplätze gefunden werden, und Arbeitgeber und Betreuer für die Betreuung auch Kompensation erhalten. Im Falle eines ausländischen Lehrers stelle ich mir vor, dass aus anfänglichen Hospitationen ziemlich rasch ein Mithelfen wird. Was auf jeden Fall viel besser ist, als ein langes Warten in der Unterkunft auf Anerkennung des Asyls, und aus Fremden, ich sagte es schon, Bekannte macht.

Aus den Gästen macht es Freunde. Wir hoffen, sie können sehr bald in ihre Heimat zurückkehren und als Freunde stehen wir ihnen bei, die Situation zu Hause zu verbessern. Das ist der Wiederaufbau der durch Krieg zerstörten Infrastruktur und ihrer Heime, das ist aber auch die Herstellung von Lebensgrundlagen in einer durch Ausbeutung und Klimaveränderung zerstörten Natur. Als Freunde werden wir und unsere Wirtschaft sicher um Mithilfe gebeten werden. Es ist mein Wunsch, allen eine Möglichkeit zum friedlichen und gedeihlichen Leben zu ermöglichen, wo immer die Heimat ist. Die Grundlage hierfür wird auch durch unser Verhalten jetzt gelegt.

Mit der Erfahrung unserer historischen Willkommenskultur und dem beobachtbaren Einsatz unzähliger Helfer immer noch und andauernd, bin ich nicht nur stolz und dankbar dafür, sondern sicher, dass wir die gewaltige aber auch großartige Aufgabe, die vor uns liegt, zu aller Zufriedenheit mit Erfolg bewältigen. Ich danke Ihnen.

Ein Kommentar

  1. Im Vier-plus Tausende-Augengespräch bei Anne Will gestern bei der ARD gab sich die Kanzlerin standhaft und persönlich. Fünf Monate vorher, gleicher Anlass, verkündete sie Deutschlands „Wir schaffen das“. Gestern kam sie, bleibt dabei und glaubt daran. Hierzu Jak 2,14-26: Glaube ohne entsprechende Taten ist tot. Sie sollte sagen, was sie tut und was sie delegiert, damit alle überzeugt zupacken.

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